Vielfältige Geschichte sammeln

Sarah Café 1981: Ausstellung lesbia erotica

Museen und das Desiderat der lsbttiq-Geschichte

von Helena Gand, Stadtmuseum Stuttgart

Geschichte bedarf Zeugnisse, die von ihr erzählen, und Erinnerungsanlässe, die sie in die Gegenwart transportieren. Ohne Dokumente, Bilder, Objekte oder mündliche Überlieferung ist es kaum möglich, historisches Wissen zu erzählen und es für die Zukunft zu erhalten. Museen und Archive bewahren und dokumentieren dieses mobile Erbe. Read More

Schräg sein, seltsam und verqueren – Queer und Queering

Schräg sein, seltsam und verqueren – Queer und Queering

Liddy Bacroff alias Heinrich Eugen Habitz ist auf der anderen Rheinseite fast schon eine Legende. In Ludwigshafen. Hier wurde der_die spätere Wahlhamburger_in als Heinrich Habitz 1908 geboren. In Mannheim, auf der für ihn_sie anderen Rheinseite, wurde sie_er im Jahr 1929 nach § 175 RStGB verurteilt. Später ging er_sie nach Hamburg. Hier experimentierte sie_er mit Read More

Das verborgene Leben der Eleonore Behar

Ausweis Eleonore Behar
Ausweis Eleonore Behar

Ausweis von Eleonore Behar

Von Anna Hájková, aus Anlass des Holocaust-Gedenktages

Am 19.4.1945 kam im Ghetto Theresienstadt ein Transport von ungarischen Juden an; sie kamen aus dem Zwangsarbeitslager Immendorf in Niederdonau. Darunter war auch die 23-jährige Budapesterin Anna Lenji mit ihrem Mann Loránd. Die neuen Häftlinge wurden in der Dresdener Kaserne einquartiert. Hier wurde Lenjis Gesundheit von einer Krankenschwester überprüft. Diese Frau, die Stuttgarterin Eleonore Behar, wurde in Theresienstadt Lenjis enge Freundin. Read More

Beunruhigung statt Besinnlichkeit. Visuelle Politik im deutschen Südwesten in Zeiten fortgesetzter Verfolgung nach § 175 in der Adenauer-Ära

Weihnachtspostkarte der „Kameradschaft die runde“, 1959/60 (10 x 14,2 cm), Schwules Museum*, Bestand „die runde“

Diese Weihnachtsgrußkarte irritiert durch eine unerwartete Kombination. „Gesegnete Weihnachten und ein glückliches Neues Jahr“. So lesen sich die Weihnachtsgrüße, die das Freundespaar Willy Stiefel, genannt Bobby (1924-1984) und Harry Hermann (1919-1995) auf dieser Postkarte an die Mitglieder der im schwäbischen Reutlingen sowie in Stuttgart von 1950 bis 1969 bestehenden „Kameradschaft die runde“ [sic.] versendet.1 Die Urheber Read More

Theo-Anna Sprüngli (1880-1953), besser bekannt als „Anna Rüling“. Berühmte Berliner Rednerin, Kulturjournalistin, Ulmer Schauspielleiterin und Theaterdramaturgin

Berliner Hotel Prinz Albrecht, kurz vor 12 Uhr am Mittag. Wir schreiben das Jahr 1904, es ist Sonntag, der 9. Oktober.1 Eine 24-jährige junge Frau ist wahrscheinlich aufgeregt, denn sie wird gleich vor 300 Leuten eine Rede halten. Nicht irgendeine. Sie hat sich Einiges vorgenommen. Read More

Grußwort der Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst Theresia Bauer

Liebe Leser_innen,

das Forschungsvorhaben zur Geschichte von LSBTTIQ im südwestdeutschen Raum  während des Nationalsozialismus und der frühen Jahre der Bundesrepublik liegt mir sehr am Herzen. Meine Hoffnung ist, dass wir mit diesem Projekt Licht in ein dunkles Kapitel der Vergangenheit bringen. Dies ist eine Verantwortung, die wir nicht nur gegenüber den Betroffenen selbst haben, sondern auch gegenüber deren Angehörigen und Nachkommen sowie uns als Gesellschaft. Read More

Willkommen auf unserem Blog

Wer oder was als Geschichte, als historisch gilt, ist immer eine Frage des Standpunkts. Intergeschlechtliche Menschen, Transsexuelle und Transgender, bi- und homosexuelle Menschen kamen lange Zeit in der Geschichtsschreibung kaum vor. Aber Geschichte kann viel mehr sein als nur die Geschichte heterosexuell lebender Männer. Dazu möchten wir in unserem Blog beitragen: die Geschichte queeren, LSBTTIQ darin sichtbar machen und heteronormative Vorstellungen von Geschichte hinterfragen – in Baden-Württemberg und auch darüber hinaus. Read More

„Ha waisch, die saget halt oifach Toni“. Zur Formierung des Selbst in der Fotocollage des „Stuttgarter Originals“ Toni Simon.

Die Collage „Mein Leben im Bild“ (1957) wurde anlässlich des 70. Geburtstags von Toni Simon (1887-1979) zusammengestellt. Toni Simon ließ diese als Postkarte drucken und verschickte sie an ihre_seine Freund_innen. Eine der Postkarten ist heute im Besitz des Schwulen Museums* Berlin und ist dort im Bestand zur Reutlinger runde archiviert. Read More

Förderung der „Unzucht“

Sexualität zwischen Frauen war vom Kaiserreich bis in die Bundesrepublik nicht strafbar. Wer allerdings Gelegenheiten für weib-weibliche Sexualität bot, war vom Strafrecht bedroht. Die Kuppelei-Paragrafen 180 und 181 StGB betrafen jede Form der „Unzucht“, ob diese an sich strafbar war oder nicht. Grundsätzlich galt jegliche außereheliche Sexualität als „Unzucht“. Wer sie ermöglichte oder förderte, musste mit Gefängnis oder sogar Zuchthaus sowie Ehrverlust rechnen. Read More

„Zwitter, Hermaphrodit“ – Was uns ein Lexikoneintrag eines Freiburger Verlags von 1950 über Intersexualität erzählt

„Individuum mit Geschlechtsorganen beider Geschlechter; bei den meisten Pflanzen […] normal, bei Säugetier und Mensch nur Mißbildung.“ So definiert das Volkslexikon des Freiburger Herder-Verlags 1950 in einem knappen Eintrag den Begriff Zwitter. So kurz dieser nur einen Satz umfassende Lexikoneintrag doch ist, gibt er uns doch viele Hinweise auf darauf, wie in den 1950er Jahren über Intersexualität gesprochen und gedacht wurde. Read More