„Zukunft braucht Erinnerung“ FHG-Jahrestagung in Stuttgart

FHG-Jahrestagung am 4. und 5. Oktober 2019 in Stuttgart

Die Jahrestagung des Fachverbands Homosexualität und Geschichte e.V. (FHG) findet dieses Jahr in Stuttgart statt. Der öffentliche Teil der Jahrestagung am 4. und 5. Oktober 2019  ist eine Kooperation mit der AG Vielfalt der Initiative Lern- und Gedenkort HOTEL SILBER. Unterstützt wird die Tagung von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, vom Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg und vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg.

Programm – Freitag, 4.10.2019

16:00 h: Themenführung „Die Polizei im HOTEL SILBER und die Bekämpfung von Homosexualität“ durch die Dauerausstellung im HOTEL SILBER, Dorotheenstraße 10, Stuttgart. Prof. Dr. Paula Lutum-Lenger, Direktorin des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg, und Ralf Bogen, Mitarbeiter der AG Dauerausstellung für die Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e. V., führen durch die Dauerausstellung. Treffpunkt: Besucherinformation im HOTEL SILBER (***), Dorotheenstraße 10, Stuttgart.

Die Führung ist kostenlos. Es besteht eine Begrenzung auf maximal 30 Teilnehmende je Führung. Anmeldungen bitte über fhg@invertito.de bis spätestens 27.09.2019. Bei größerer Nachfrage kann die Führung um 17:00 h erneut angeboten werden.

Programm – Samstag, 05.10.2019 Öffentliche Fachtagung

10:00 h: Beginn der Fachtagung im HOTEL SILBER, Dorotheenstraße 10, Stuttgart

10:15 h: Begrüßung/Organisatorisches Ralf Bogen, AG Vielfalt der Initiative Lern- und Gedenkort HOTEL SILBER. Begrüßun und Moderation: Karl-Heinz Steinle, Mitglied im Vorstand Fachverband Homosexualität und Geschichte, Angela Jäger, Sprechendenrat des Netzwerks LSBTTIQ Baden-Württemberg

10:30 h: Dr. des. Sabrina Mittermeier, Augsburg: LSBTTIQ Public History in der Bundesrepublik Deutschland und den USA 1969-2016

11:15 h: Janka Kluge, Stuttgart: Von der Sichtbarkeit zur Unsichtbarkeit und wieder zurück – zur Geschichte der Emanzipationsbewegung transsexueller Menschen

12:00 h: Ilona Scheidle, Mannheim: Bekämpftes / umkämpftes Gedenken – eine Geschichte zur „Lesbengedenkkugel“ in der Mahn- und Gedenkstätte Frauenkonzentrationslager Ravensbrück

Mittagspause

14:15 h: Dr. Julia Noah Munier, München: Die Homophilenbewegung im deutschen Südwesten als Akteur der Anerkennung

15:00 h: Cynthia Sadler, Mannheim: Eine Annäherung an Formen weiblichen gleichgeschlechtlichen Begehrens: Paris – Wien im 18. Jahrhundert

kurze Pause

16:00 h: Artur Reinhard, Tübingen: Fall eines Tübinger Studenten, der in den 1950er Jahren wegen zwei §175 StGB-Verstößen der Universität verwiesen wurde

16:45 h: Erfolge, Defizite und Perspektiven der Aufarbeitung und Darstellung der vielfältigen LSBTTIQ-Geschichte. Resümee und Erfahrungsaustausch aller Fachtagungs-Teilnehmenden

17:30 h: Ende der öffentlichen Fachtagung am Veranstaltungsort HOTEL SILBER

Abendveranstaltung in der Weissenburg. Zentrum LSBTTIQ Stuttgart, Weissenburgstr, 28, Stuttgart (geöffnet ab 18:00 h, Abendessen wird angeboten)

20:00 h: Neue Wege zur Sichtbarkeit der vielfältigen LSBTTIQ-Geschichte. Filmausschnitte und Gespräch mit Philine Pastenaci und Sissy that Talk. Moderation: Sven Tröndle (Weissenburg/Schwulst)

(***) Das HOTEL SILBER war ehemals Sitz der Geheimen Staatspolizei von Württemberg und Hohenzollern sowie nach 1945 Sitz der Stuttgarter Kriminalpolizei. In dem einstigen Ort des NS-Terrors entstand als Bürgerbeteiligungsprojekt ein Ort des historisch-politischen Lernens und Begegnung. Die Ausstellung und verschiedene Veranstaltungen beschäftigen sich mit Tätern und ihren Opfern, mit der Institution Polizei und ihrer Rolle in drei politischen Systemen. Der Geschichtsort wurde am 3.12.2018 eröffnet und ist Teil des Haus der Geschichte Baden-Württembergs. Weitere Infos: https://www.geschichtsort-hotel-silber.de

Stadtführung „Le(s)ben in Tübingen“

„Le(s)ben in Tübingen. Spuren einer unsichtbaren Stadtgeschichte“

Stadtführung am Montag, 9. September 2019, 17h

Im Rahmen der kostenlosen öffentlichen Stadtführungen „Kennen Sie Tübingen?“ für Einheimische und Gäste begeben sich Aktive des Bildungszentrums und Archivs zur Frauengeschichte Baden-Württembergs e.V. (baf) am Montag, den 9. September 2019 um 17 Uhr auf die Spuren einer unsichtbaren Stadtgeschichte. Treffpunkt für die Führung ist das Tübinger Rathaus.

Schaufenster des Frauenbuchladens Thalaestris in der Bursagasse 2 in der Tübinger Altstadt. Fotografie 1983. Quelle: Bildungszentrum und Archiv zur Frauengeschichte Baden-Württembergs e.V. (baf e.V.), Tübingen

Zur Tübinger Stadtgeschichte gehören auch Frauen, die mit Frauen leb(t)en. Das klingt banal. Nicht banal ist, dass ihre Geschichte noch nicht den Weg ins kollektive Gedächtnis gefunden hat.Der Rundgang zeigt Leerstellen in der Stadtgeschichte und füllt sie mit ersten Inhalten. So werden frauenliebende Frauen aus der Unsichtbarkeit geholt und historische Ablagerungen neu durchdrungen.In der Altstadt geht es zu wichtigen Orten der (noch zu schreibenden) Lesbengeschichte. Aktive des baf e.V. suchen Spuren der Emanzipation und Subkultur und stellen Modelle weiblicher Selbstermächtigung vor. Zeitzeuginnen erzählen von unsichtbaren Lebenswelten und Wegen in die Sichtbarkeit.

Zum Ausklang der Führung sind alle eingeladen ins Bildungszentrum und Archiv zur Frauengeschichte Baden-Württembergs baf e.V. in der Rümelinstr. 2

Queer durch Tübingen und Region

Vortrag und Dia-Show von Karl-Heinz Steinle im Rahmen der Vortragsreihe

Auf Zeitreise mit dem Stadtarchiv

am 21. Mai 2019 um 19 h im Rathaus Tübingen

Der Eintritt ist frei

Quellen zu Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender, Trans- und Intersexuellen und Queers befinden sich in allen Archivbeständen. Dort sind sie jedoch oft nicht speziell gekennzeichnet, weshalb sie in der Geschichtsschreibung bislang kaum auftauchen. Dieser Frage ist auf dieser Webseite bereits Helena Gand in ihrem Beitrag Vielfältige Geschichte sammeln nachgegangen.

Streichholzbriefchen Pub 13 in Tübingen. Design: Rainer Willnauer, 1969. Foto: Karl-Heinz Steinle 2017 Stadtarchiv Tübingen.

In einem deutschlandweit einmaligen Forschungsprojekt lässt das Stadtarchiv Tübingen solche Quellen suchen: in städtischen Archiven, öffentlichen und privaten Sammlungen. Daraus entsteht eine Ausstellung zur Geschichte von LSBTTIQ in Tübingen und der Region. Die Ausstellung soll im Stadtmuseum Tübingen gezeigt werden und thematisiert Repressionen und Verfolgung ebenso wie Freundschaften und Beziehungsmodelle und den Kampf um gleiche Rechte und gleichberechtigte Teilhabe.

Karl-Heinz Steinle präsentiert im Vortrag erste Ergebnisse des Forschungsprojekts, zeigt ungewöhnliche Funde und stellt Tübingerinnen und Tübinger vor, die das queere Tübingen mitgeprägt haben.

Kennen Sie Quellen zur LSBTTIQ-Geschichte zu Tübingen und der Region? Wenden Sie sich an das Stadtarchiv Tübingen, jeder Hinweis ist willkommen!

 

 

 

Strafverfolgung der männlichen Homosexuellen im „liberalen Musterland“ Baden

Strafverfolgung der männlichen Homosexuellen im „liberalen Musterland“ Baden 1

Beitrag von Dr. Frédéric Stroh anlässlich des Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2019

Wozu dient eine weitere regionale Untersuchung der Verfolgung Homosexueller? Handelte es sich dabei nicht um ein nationales Phänomen? Lokale Fallstudien machen uns die Vergangenheit selbstverständlich fassbarer. Dadurch können wir ihre menschliche Dimension ermessen. Aber wären auch tatsächlich grundsätzliche lokale Besonderheiten aufzufinden? Wir Read More

„§ 175: Wenn ein Mann mit einem Mann …“ Zum Gedenken an die Opfer der Homosexuellen-Verfolgung am 27. Januar 2018 im Stadthaus Ulm

„§ 175: Wenn ein Mann mit einem Mann …“ Zum Gedenken an die Opfer der Homosexuellenverfolgung am 27. Januar 2018 im Stadthaus Ulm

von Dr. Nicola Wenge, Dr. Sabine Presuhn, Ulrich Seemüller und Josef Naßl

Zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus in Ulm

Der 27. Januar 1945 war der Tag der Befreiung des KZ- und Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee. Der verstorbene Bundespräsident Roman Herzog erklärte diesen Tag Read More

Wiedergutmachung von Transvestiten und Damenimitatoren nach 1945

Wiedergutmachung von Transvestiten und Damenimitatoren nach 1945

von Julia Noah Munier und Karl-Heinz Steinle

Anlässlich des internationalen Transgender Day of Remembrance (TDOR), der seit Ende der 1990er Jahre am 20. November alljährlich von unterschiedlichen Aktivist_innen-Gruppen begangen wird, möchten wir aus der Perspektive der historischen Forschung zu LSBTTIQ ein bisher nicht beachtetes Thema in den Fokus unseres Blogs rücken: Die NS-Verfolgung und die anschließenden Entschädigungs- bzw. Wiedergutmachungsbemühungen von Transvestiten bzw. Damenimitatoren im deutschen Südwesten nach 1945.1 Über die Erforschung der Lebenswege und Lebensschicksale von Transvestiten und Damenimitatoren liegen bisher kaum wissenschaftliche Arbeiten vor. Read More

Vor 60 Jahren: Deutschlandpremiere von „Anders als du und ich (§ 175)“ in Stuttgart

Vor 60 Jahren: Deutschlandpremiere von Anders als du und ich (§ 175) in Stuttgart

von Dr. Julia Noah Munier

Am 30. Oktober 1957, vor 60 Jahren, feierte im Stuttgarter Gloria Palast der – ausgerechnet von NS-Starregisseur Veit Harlan verfilmte – erste westdeutsche „Homosexuellenfilm“ Anders als du und ich (§ 175) Deutschlandpremiere.1 Bereits im Vorfeld, aber auch während seiner 14-tägigen Spielzeit in Stuttgart entwickelten sich zahlreiche Konflikte um die Bewerbung des Films und der Read More

Außergewöhnlicher Aktenfund im Staatsarchiv Ludwigsburg

von Dr. des. Julia Noah Munier und Karl-Heinz Steinle

Im Zuge unseres Forschungsvorhabens „LSBTTIQ in Baden und Württemberg. Lebenswelten, Repression und Verfolgung im Nationalsozialismus und in der Bundesrepublik Deutschland“ sind im Staatsarchiv Ludwigsburg Aktenordner der Stuttgarter Kriminalpolizei der Forschung zugänglich gemacht worden, deren Inhalt – nicht nur für die Forschungen zu Baden-Württemberg – eine einzigartige Quelle darstellt.1 Read More