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From dusk till dawn – Für vielfältige Geschichten

From dusk till dawn – Für vielfältige Geschichten

Veronika Springmann zum 27. Januar 2020, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus und International Holocaust Remembrance Day

Während der Recherche für das DFG Forschungsprojekt „Homosexuellenbewegung und Rechtsordnung“ bin ich im Generallandesarchiv Karlsruhe auf eine Akte gestoßen, in der ein Mann aus einem badischen Dorf 1936 wegen Vergehens gegen den § 175 StGb angeklagt wurde. Im Verlauf des Ermittlungsverfahrens gegen den Mann wurden viele Zeugen*innen aufgerufen und weitere Verfahren begonnen. Übliche Ermittlungspraxis war es, den Angeklagten nach Namen von weiteren Männern zu fragen, gegen diese dann wiederum Ermittlungsverfahren eingeleitet wurden. Dieser Dominoeffekt war bei dieser Akte besonders augenfällig, und es entsteht beim Lesen der Eindruck, als ob es vor allem nachts zwischen zahlreichen Männern des Dorfes zu vielfältigen intimen Begegnungen kam.

Bei dem Angeklagten handelte es sich um Ferdinand Löb (geb. 1864). Der über Siebzigjährige war verheiratet, hatte einen Sohn und war Inhaber der örtlichen Bäckerei in Malsch. In der Ermittlungsakte wurde erwähnt, dass er auch der ‚Schlemmer-Bäck‘ genannt wurde.

Laut der Ermittlungsakte pflegte Ferdinand Löb sexuelle Kontakte mit anderen Männern des Dorfes, unter anderem mit Karl Muck, der ihn erpresste. Anzeige erstattet wurde allerdings vom Polizist des Dorfes, dem Oberwachtmeister Adolf Horcher. Dessen Schilderung, wie er zu diesem Wissen kam, lässt darauf schließen, dass es einen regen Informationsfluss gab. Horcher gab an, im selben Haus zu wohnen wie Walter Pister, einem Mitglied der SA. Dieser wiederum hatte die Informationen über die sexuellen Begegnungen des Ferdinand Löb aus einer anderen Quelle. Involviert waren also verschiedene Männer, die sich nicht nur sexuell begegnet sind, mindestens aber miteinander darüber gesprochen – oder wie es im Dialekt heißt: „getratscht“ – haben. Ob diese Gerüchte mit gezielt gestreut wurden, um Ferdinand Löb anzuzeigen, oder zufällig, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Aus geschlechtergeschichtlicher Perspektive sind diese Kommunikationswege deswegen interessant, weil Gerüchte oder Gossip lange als „Women’s Talk“ oder „Weibergeschwätz“ bezeichnet wurden.1 Durch die Ausführungen Horchers in seinem Ermittlungsprotokoll, entsteht jedoch der Eindruck, als ob ständig über Sex, bzw. den von Ferdinand Löb mit Karl Muck und anderen Männern, gesprochen wurde. Warum Horcher sich zu diesem Zeitpunkt für eine Anzeige entschied, obwohl er, wie er selbst zu Protokoll gab, schon länger von den Treffen Löbs wusste, kann ich nur vermuten.

Ferdinand Löb war Jude; das wird in der Akte explizit gemacht. Malsch, ein Dorf in Baden-Württemberg, liegt zwischen Karlsruhe und Rastatt. Der Verein „heimatfreunde malsch e.v.“ zeigte 2008 eine Ausstellung zum „Jüdischen Leben in Malsch“, die in der Zeitschrift „Malscher Historischer Bote“ dokumentiert ist. Seit 1885 gehörte die Jüdische Gemeinde des Dorfes zum Rabbinatsbezirk Bühl. 1933 haben in der Gemeinde knapp 100 Jüd*innen gelebt.2 Die jüdische Bevölkerung beteiligte sich, wie in anderen Dörfern auch, rege am lokalen Leben, einige Jüd*innen besaßen Geschäfte oder Gasthäuser, nahmen am öffentlichen Leben teil und gestalteten dieses aktiv mit. Daher drängt sich die Frage auf, ob die Gerüchte um die sexuellen Begegnungen von Ferdinand Löb durch die zunehmenden antisemitischen Maßnahmen und Gesetzgebungen nicht eine andere Virulenz erhalten haben. Zum Zeitpunkt der Verhaftung Ferdinand Löbs waren die Nürnberger Gesetze bereits in Kraft.3 Diese bestanden aus zwei Gesetzen. Das sog. Blutschutzgesetz oder auch „Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“ verbot die Ehe zwischen jüdischen und nicht-jüdischen Menschen und verbot den außerehelichen Geschlechtsverkehr. Mit dem Reichsbürgergesetz wurde festgelegt, dass jüdische Staatsangehörige nicht mehr als Reichsbürger galten.

Artikel über Ferdinand Löb aus der Badischen Presse (Karlsruhe) vom 16. Mai 1937

Ferdinand Löb bestätigt die ihm zur Last gelegten sexuellen Handlungen, die nicht nur mit dem erwähnten Karl Muck, sondern auch „seit ungefähr 2-3 Jahren mit weiteren Männern des Dorfes“ stattgefunden hatten. Im Rahmen der Ermittlungen wurde er zudem vom Gesundheitsamt Rastatt befragt und untersucht, das einen „Mangel an moralischen Hemmungen“ attestierte. Das Gericht in Karlsruhe verurteilte Ferdinand Löb schließlich am zu elf Monaten Gefängnis. Am 27. Juli 1938 emigrierte er zusammen mit seiner Ehefrau Florentine Löb in die USA.4 Sein Sohn, Alfred Löb, übernahm die Bäckerei, wurde jedoch schon einige Monate später während der Novemberpogrome in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Ihm gelang es 1939 mit seiner Frau und den beiden Kindern in die USA auszuwandern.

In den Archiven finden sich viele solcher Geschichten5, die das Wissen um queere Geschichte oder einer Geschichte der Verfolgung von Homosexualität erweitern. Die Akte über Löb gibt wertvolle Einblicke darüber, wie im 20. Jahrhundert Beziehungen auf dem Lande gelebt wurden. Und damit meine ich nicht nur mann-männliche sexuelle Begegnungen, die – folge ich den Ermittlungsakten – doch offenbar zahlreich an Abenden und Orten wie den örtlichen Gasthäusern oder Ställen stattgefunden haben. Beziehungen beinhalten auch die Gerüchte und das Sprechen über Sexualität, denn dies lässt erkennen, dass viel und intensiv miteinander gesprochen wurde. Ob an diesen Gesprächen nur Männer teilgenommen hatten oder auch Frauen, die ja oft in den Ställen tätig waren, wissen wir nicht. Wie sich dieses Sprechen veränderte und ab wann es – wie im vorliegenden Fall – eventuell durch den zunehmenden Antisemitismus und die nationalsozialistische Politik denunziatorisch wurde, sind noch offene Fragen.

Eine alltagsgeschichtliche Analyse von Sexualitäten muss auch die versteckten Begegnungen in den Blick nehmen. Die Begehrensweisen, die aufgrund ihrer Kriminalisierung6 in der Nacht gelebt werden mussten, geben nicht nur Aufschluss über Verfolgungspraktiken gegenüber Homosexuellen, sondern sind ein wichtiger Bestanteil einer inklusiven Geschichtsschreibung, die nicht ein weiteres Mal marginalisiert und ausgrenzt. In ihren Überlegungen zu „Queere Geschichte und Holocaust“ merkte die Historikerin Anna Hájková an, dass es uns mit eine Geschichte Sexualitäten gelingt, einiges über „eine Gesellschaft, ihre Kultur, ihre Werte und Logiken“ zu lernen.7 Dem stimme ich zu, und möchte hinzufügen, dass gerade Alltagsgeschichten und (nicht nur) Geschichten dörflicher Wissens- Kommunikations -und Beziehungsstrukturen anders geschrieben werden könnten.

Veronika Springmann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Projekt „Homosexuellenbewegung und Rechtsordnung in der Bundesrepublik Deutschland“ und schreibt für dessen Webseite „History Sexuality Law. Verschränkung von Recht und Sexualitätim historischen Kontext„.

1 Vgl. bspw. Melanie Tebutt, Women’s Talk? A Social History of ‘Gossip’ in Working-Class Neighbourhoods, 1880-1960, Aldershot 1995;

2 Vgl. Franz Hundsnurscher, Gerhard Taddey, Die jüdischen Gemeinden in Baden. Denkmale, Geschichte, Schicksale, Stuttgart 1968, S. 185; Ulrich Baumann, Zerstörte Nachbarschaften. Christen und Juden in badischen Landgemeinden, Hamburg 2000.

3 Vgl. Durchführung des Reichsbürgergesetzes, Malsch, den 26. November 195, abgedruckt in: Malscher Historischer Bote. Jüdisches Leben in Malsch, Malsch 2009, S. 124.

4 Malscher Historischer Bote. Jüdisches Leben in Malsch, Malsch 2009, S. 219. Viele mann-männlich begehrende Männer waren zu dieser Zeit verheiratet.

5 In den Archiven lassen sich diese Akten unter den Stichworten „widernatürlich Unzucht“, „Unzucht Männer“ oder § 175 finden.

6 Seit der Einführung des Strafgesetzbuches 1871 wurde die mann-männliche Sexualität durch den § 175 kriminalisiert; das nationalsozialistische Reichskabinett beschloss im Juni 1935 eine deutliche Verschärfung des Paragraphen.

7 Vgl. Anna Hájková, Queere Geschichte und Holocaust, in: Aus Politik und Zeitgeschichte (2018).

LSBTTIQ-Geschichte: Erkennen. Aufarbeiten. Diskutieren

„LSBTTIQ-Geschichte – Erkennen. Aufarbeiten. Diskutieren“

Veranstaltung am 7. November 2019 in Heidelberg

Anlässlich des Aktionsjahrs 2019 „Für Akzeptanz & gleiche Rechte“ lädt das Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg zusammen mit der Stadt Heidelberg und dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg am 7. November 2019 zur Veranstaltung „LSBTTIQ-Geschichte – Erkennen. Aufarbeiten. Diskutieren.“ ein.

 

 

LSBTTIQ-Geschichte – Erkennen. Aufarbeiten. Diskutieren.

Gemeinsam möchten wir Ihnen einen Einblick in die LSBTTIQ-Geschichtsaufarbeitung geben und Sie zum Austausch mit den vor Ort anwesenden Experten_innen einladen.

Zur Begrüßung wird das Rektorat der Universität Heidelberg, Bürgermeister für Umwelt, Bürgerdienste und Integration der Stadt Heidelberg, Wolfgang Erichson, sowie Wissenschaftsministerin Theresia Bauer sprechen. Auf dem Panel „LSBTTIQ-Geschichte – Erkennen. Aufarbeiten. Diskutieren.“ wird u.a. Prof. Dr. Karen Nolte, Universität Heidelberg, und Prof. Dr. Wolfram Pyta, Universität Stuttgart, die Möglichkeiten des Erinnerns und der Aufarbeitung auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene aufzeigen und zur Diskussion stellen.

Zuvor können Sie sich in zwei parallel stattfindenden Praxisforen zur LSBTTIQ-Geschichtsaufarbeitung informieren und mit den Experten_innen ins Gespräch kommen. Fragen mit denen wir uns u.a. beschäftigen wollen sind:

  • Wie können wir die vielfältige LSBTTIQ-Geschichte sichtbar(er) machen?
  • Wie lässt sich die LSBTTIQ-Geschichte in den Schulunterricht und in die Lehrer_innenbildung aufnehmen?

Darüber hinaus haben Sie die Möglichkeit mit der Wanderausstellung „Sie machen Geschichte“ ein gelungenes Beispiel der Geschichtsaufarbeitung kennenzulernen. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Biografien von LSBTTIQ mit Bezug zu Baden-Württemberg. Die Wanderausstellung wird für Sie exklusiv am Veranstaltungstag aufgebaut und durch Karl-Heinz Steinle, Autor der Ausstellung, vorgestellt.

Programm

Wann: 7. November 2019, 16:00 – 21:00 Uhr | Wo: Rathaus und Universität Heidelberg

16:00 -17:45 Uhr | Praxisforen im großen und kleinen Rathaussaal, Marktplatz 10, 69117 Heidelberg

18:00 – 20:30 Uhr | Panel und Wanderausstellung in der Neuen Universität Heidelberg, Universitätsplatz 1, 69117 Heidelberg

 

Herzlich eingeladen sind die Community, Vertreter_innen aus Politik und Verwaltung, Pädagog_innen, Studierende sowie weitere Interessierte.

Durch die Förderung des Ministeriums für Soziales und Integration Baden-Württemberg ist die Teilnahme an der Veranstaltung kostenfrei.

Bitte melden Sie sich zu den Praxisforen per E-Mail unter LSBTTIQ@Heidelberg.de an. Eine Anmeldung zum Abendprogramm (18:00 – 21:00 Uhr) ist nicht notwendig.

Es handelt sich um eine gemeinsame Veranstaltung des Ministeriums für Soziales und Integration Baden-Württemberg, des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg sowie des Amts für Chancengleichheit der Stadt Heidelberg, die von der Familien-Forschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt durchgeführt wird.

Aktionsjahr 2019 „Für Akzeptanz & gleiche Rechte“

Mit dem Aktionsjahr 2019 möchte das Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg gemeinsam mit weiteren Ministerien, Verbänden, Institutionen, Kommunen und der Community die Sichtbarkeit von Vielfalt fördern, Präsenz zeigen, Vorbild sein und das Thema in die Öffentlichkeit tragen. Damit wird ein deutliches und klares Zeichen gesetzt gegen jede Art von Diskriminierung von lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen, transgen-der, intersexuellen und queeren Menschen – kurz LSBTTIQ. Im Rahmen des Aktionsjahres finden in Baden-Württemberg drei regionale Akzeptanzveranstaltungen statt:

25.10.19 in Ravensburg | LSBTTIQ – Gemeinsam. Divers. Bunt.

07.11.19 in Heidelberg | LSBTTIQ-Geschichte – Erkennen. Aufarbeiten. Diskutieren.

29.11.19 in Freiburg | Vielfalt und Geschlecht – Identität. Neu. Denken.

Kontakt bei Rückfragen: Konstantin Proske, Cora Westrick | Mail: fafo-bw@stala.bwl.de | Tel. 0711/641-2886, bzw. 0711/641-2728

 

„Zukunft braucht Erinnerung“ FHG-Jahrestagung in Stuttgart

FHG-Jahrestagung am 4. und 5. Oktober 2019 in Stuttgart

Die Jahrestagung des Fachverbands Homosexualität und Geschichte e.V. (FHG) findet dieses Jahr in Stuttgart statt. Der öffentliche Teil der Jahrestagung am 4. und 5. Oktober 2019  ist eine Kooperation mit der AG Vielfalt der Initiative Lern- und Gedenkort HOTEL SILBER. Unterstützt wird die Tagung von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, vom Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg und vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg.

Programm – Freitag, 4.10.2019

16:00 h: Themenführung „Die Polizei im HOTEL SILBER und die Bekämpfung von Homosexualität“ durch die Dauerausstellung im HOTEL SILBER, Dorotheenstraße 10, Stuttgart. Prof. Dr. Paula Lutum-Lenger, Direktorin des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg, und Ralf Bogen, Mitarbeiter der AG Dauerausstellung für die Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e. V., führen durch die Dauerausstellung. Treffpunkt: Besucherinformation im HOTEL SILBER (***), Dorotheenstraße 10, Stuttgart.

Die Führung ist kostenlos. Es besteht eine Begrenzung auf maximal 30 Teilnehmende je Führung. Anmeldungen bitte über fhg@invertito.de bis spätestens 27.09.2019. Bei größerer Nachfrage kann die Führung um 17:00 h erneut angeboten werden.

Programm – Samstag, 05.10.2019 Öffentliche Fachtagung

10:00 h: Beginn der Fachtagung im HOTEL SILBER, Dorotheenstraße 10, Stuttgart

10:15 h: Begrüßung/Organisatorisches Ralf Bogen, AG Vielfalt der Initiative Lern- und Gedenkort HOTEL SILBER. Begrüßun und Moderation: Karl-Heinz Steinle, Mitglied im Vorstand Fachverband Homosexualität und Geschichte, Angela Jäger, Sprechendenrat des Netzwerks LSBTTIQ Baden-Württemberg

10:30 h: Dr. des. Sabrina Mittermeier, Augsburg: LSBTTIQ Public History in der Bundesrepublik Deutschland und den USA 1969-2016

11:15 h: Janka Kluge, Stuttgart: Von der Sichtbarkeit zur Unsichtbarkeit und wieder zurück – zur Geschichte der Emanzipationsbewegung transsexueller Menschen

12:00 h: Ilona Scheidle, Mannheim: Bekämpftes / umkämpftes Gedenken – eine Geschichte zur „Lesbengedenkkugel“ in der Mahn- und Gedenkstätte Frauenkonzentrationslager Ravensbrück

Mittagspause

14:15 h: Dr. Julia Noah Munier, München: Die Homophilenbewegung im deutschen Südwesten als Akteur der Anerkennung

15:00 h: Cynthia Sadler, Mannheim: Eine Annäherung an Formen weiblichen gleichgeschlechtlichen Begehrens: Paris – Wien im 18. Jahrhundert

kurze Pause

16:00 h: Artur Reinhard, Tübingen: Fall eines Tübinger Studenten, der in den 1950er Jahren wegen zwei §175 StGB-Verstößen der Universität verwiesen wurde

16:45 h: Erfolge, Defizite und Perspektiven der Aufarbeitung und Darstellung der vielfältigen LSBTTIQ-Geschichte. Resümee und Erfahrungsaustausch aller Fachtagungs-Teilnehmenden

17:30 h: Ende der öffentlichen Fachtagung am Veranstaltungsort HOTEL SILBER

Abendveranstaltung in der Weissenburg. Zentrum LSBTTIQ Stuttgart, Weissenburgstr, 28, Stuttgart (geöffnet ab 18:00 h, Abendessen wird angeboten)

20:00 h: Neue Wege zur Sichtbarkeit der vielfältigen LSBTTIQ-Geschichte. Filmausschnitte und Gespräch mit Philine Pastenaci und Sissy that Talk. Moderation: Sven Tröndle (Weissenburg/Schwulst)

(***) Das HOTEL SILBER war ehemals Sitz der Geheimen Staatspolizei von Württemberg und Hohenzollern sowie nach 1945 Sitz der Stuttgarter Kriminalpolizei. In dem einstigen Ort des NS-Terrors entstand als Bürgerbeteiligungsprojekt ein Ort des historisch-politischen Lernens und Begegnung. Die Ausstellung und verschiedene Veranstaltungen beschäftigen sich mit Tätern und ihren Opfern, mit der Institution Polizei und ihrer Rolle in drei politischen Systemen. Der Geschichtsort wurde am 3.12.2018 eröffnet und ist Teil des Haus der Geschichte Baden-Württembergs. Weitere Infos: https://www.geschichtsort-hotel-silber.de

Stadtführung „Le(s)ben in Tübingen“

„Le(s)ben in Tübingen. Spuren einer unsichtbaren Stadtgeschichte“

Stadtführung am Montag, 9. September 2019, 17h

Im Rahmen der kostenlosen öffentlichen Stadtführungen „Kennen Sie Tübingen?“ für Einheimische und Gäste begeben sich Aktive des Bildungszentrums und Archivs zur Frauengeschichte Baden-Württembergs e.V. (baf) am Montag, den 9. September 2019 um 17 Uhr auf die Spuren einer unsichtbaren Stadtgeschichte. Treffpunkt für die Führung ist das Tübinger Rathaus.

Schaufenster des Frauenbuchladens Thalaestris in der Bursagasse 2 in der Tübinger Altstadt. Fotografie 1983. Quelle: Bildungszentrum und Archiv zur Frauengeschichte Baden-Württembergs e.V. (baf e.V.), Tübingen

Zur Tübinger Stadtgeschichte gehören auch Frauen, die mit Frauen leb(t)en. Das klingt banal. Nicht banal ist, dass ihre Geschichte noch nicht den Weg ins kollektive Gedächtnis gefunden hat.Der Rundgang zeigt Leerstellen in der Stadtgeschichte und füllt sie mit ersten Inhalten. So werden frauenliebende Frauen aus der Unsichtbarkeit geholt und historische Ablagerungen neu durchdrungen.In der Altstadt geht es zu wichtigen Orten der (noch zu schreibenden) Lesbengeschichte. Aktive des baf e.V. suchen Spuren der Emanzipation und Subkultur und stellen Modelle weiblicher Selbstermächtigung vor. Zeitzeuginnen erzählen von unsichtbaren Lebenswelten und Wegen in die Sichtbarkeit.

Zum Ausklang der Führung sind alle eingeladen ins Bildungszentrum und Archiv zur Frauengeschichte Baden-Württembergs baf e.V. in der Rümelinstr. 2

Queer durch Tübingen und Region

Vortrag und Dia-Show von Karl-Heinz Steinle im Rahmen der Vortragsreihe

Auf Zeitreise mit dem Stadtarchiv

am 21. Mai 2019 um 19 h im Rathaus Tübingen

Der Eintritt ist frei

Quellen zu Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender, Trans- und Intersexuellen und Queers befinden sich in allen Archivbeständen. Dort sind sie jedoch oft nicht speziell gekennzeichnet, weshalb sie in der Geschichtsschreibung bislang kaum auftauchen. Dieser Frage ist auf dieser Webseite bereits Helena Gand in ihrem Beitrag Vielfältige Geschichte sammeln nachgegangen.

Streichholzbriefchen Pub 13 in Tübingen. Design: Rainer Willnauer, 1969. Foto: Karl-Heinz Steinle 2017 Stadtarchiv Tübingen.

In einem deutschlandweit einmaligen Forschungsprojekt lässt das Stadtarchiv Tübingen solche Quellen suchen: in städtischen Archiven, öffentlichen und privaten Sammlungen. Daraus entsteht eine Ausstellung zur Geschichte von LSBTTIQ in Tübingen und der Region. Die Ausstellung soll im Stadtmuseum Tübingen gezeigt werden und thematisiert Repressionen und Verfolgung ebenso wie Freundschaften und Beziehungsmodelle und den Kampf um gleiche Rechte und gleichberechtigte Teilhabe.

Karl-Heinz Steinle präsentiert im Vortrag erste Ergebnisse des Forschungsprojekts, zeigt ungewöhnliche Funde und stellt Tübingerinnen und Tübinger vor, die das queere Tübingen mitgeprägt haben.

Kennen Sie Quellen zur LSBTTIQ-Geschichte zu Tübingen und der Region? Wenden Sie sich an das Stadtarchiv Tübingen, jeder Hinweis ist willkommen!

 

 

 

Strafverfolgung der männlichen Homosexuellen im „liberalen Musterland“ Baden

Strafverfolgung der männlichen Homosexuellen im „liberalen Musterland“ Baden 1

Beitrag von Dr. Frédéric Stroh anlässlich des Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2019

Wozu dient eine weitere regionale Untersuchung der Verfolgung Homosexueller? Handelte es sich dabei nicht um ein nationales Phänomen? Lokale Fallstudien machen uns die Vergangenheit selbstverständlich fassbarer. Dadurch können wir ihre menschliche Dimension ermessen. Aber wären auch tatsächlich grundsätzliche lokale Besonderheiten aufzufinden? Wir Read More

„§ 175: Wenn ein Mann mit einem Mann …“ Zum Gedenken an die Opfer der Homosexuellen-Verfolgung am 27. Januar 2018 im Stadthaus Ulm

„§ 175: Wenn ein Mann mit einem Mann …“ Zum Gedenken an die Opfer der Homosexuellenverfolgung am 27. Januar 2018 im Stadthaus Ulm

von Dr. Nicola Wenge, Dr. Sabine Presuhn, Ulrich Seemüller und Josef Naßl

Zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus in Ulm

Der 27. Januar 1945 war der Tag der Befreiung des KZ- und Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee. Der verstorbene Bundespräsident Roman Herzog erklärte diesen Tag Read More