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Seit dem Tag des Gedenkens an den Holocaust, dem 27. Januar 2017, ist die Webseite Der Liebe wegen online gestellt. Sie handelt „Von Menschen im deutschen Südwesten, die wegen ihrer Liebe und Sexualität ausgegrenzt und verfolgt wurden“. Ihre Autor_innen Werner Biggel, Ralf Bogen, Rainer Hoffschildt, Jens Kotala, William Schaefer, Kim Schicklang, Christina Schiederdecker und Claudia Weinschenk beschreiben Verfolgung und Repression besonders von schwulen, aber auch von lesbischen, bisexuellen, transsexuellen und transgender Baden-Württemberger_innen vor allem im Zeitraum 1933 bis 1969. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Darstellung der Verfolgung von Männern. In separaten Menüpunkten wird auf das Problem der Unsichtbarkeit von frauenliebenden Frauen und auf die Frage eingegangen, was Geschlecht eigentlich ist. Auf einer Gedenkkarte werden Kurzbiografien und Dokumente von drei Frauen und 251 Männern mit Bezug zur Region des heutigen Baden-Württemberg dargestellt, die im Nationalsozialismus ausgegrenzt und verfolgt wurden. Welches Geschlecht und welche sexuelle Orientierung diese Personen letztlich wirklich hatten, ist nicht bekannt. Biografien von Menschen, die heute als Transgender, trans- und/oder intersexuelle Menschen bezeichnet werden und/oder sich selbst so bezeichnen, fehlen. Getragen wird die Webseite von der Weissenburg e.V. in Stuttgart und der Rosa Hilfe Freiburg e.V. Gefördert wurde sie vom Ministerium für Soziales und Integration des Landes Baden-Württemberg und der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e.V.

Die erste bahnbrechende Studie über Verfolgung und Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Sexualität und Liebe in einem Flächenland über die Zeit nach 1945 ist erschienen. Das Land Rheinland-Pfalz hatte sie in Auftrag gegegen, dort kann sie auch heruntergeladen werden. Projektleitung hatten das Institut für Zeitgeschichte und die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld.

Am 19. November 2016 kam in der ZDF-Sendung Mona Lisa auch unser Zeitzeuge Helmut Kress zu Wort. Der Beitrag unter dem TitelFürs Leben gezeichnet: Paragraph 175“ berichtet über die geplante Entschädigung der in der Bundesrepublik wegen des Paragrafen 175 StGB verurteilten Männer.  Im Beitrag schildert Hemut Kress seine Verhaftung, das Verhör und die Zelle im Jugendgefängnis Oberndorf am Neckar, in der er die Haft verbüßt hat.

Der Oberbürgermeister von Tübingen, Hans Gmelin, hatte einen Mann wegen § 175 StGB denunziert. Ausgelöst durch das Interview mit unserem Zeitzeugen Helmut Kress wurden im Stadtarchiv Tübingen Akten gefunden. Helmut Kress wusste bislang nicht, aufgrund welcher Hinweise er 1961 an seinem Arbeitsplatz im Technischen Rathaus Tübingen verhaftet wurde. Aus den jetzt gefundenen Akten geht hervor, dass es eine Anzeige seines Vorgesetzten, des damaligen Oberbürgermeisters Hans Gmelin (1911-1991) war, die zu seiner Verhaftung und späteren Verurteilung nach § 175 führte. Gmelin schreibt am 18. Oktober 1961 an das Amtsgericht Tübingen: „Das Städtische Personalamt hat in meinem Auftrag am 27.9.1961 der Landes-Kriminal-Hauptstelle Tübingen einen Brief übergeben, der von dem beim Stadtplanungsamt beschäftigten Zeichnerlehrling Helmut Kress abgefasst und an Helmut S. adressiert war. Nach dem Inhalt des Briefes könnte eine strafbare Handlung gemäß § 175 StGB beabsichtigt gewesen sein.“ (Stadtarchiv Tübingen, Bestand A515) Bei dem Brief handelt es sich um einen Liebesbrief von Helmut Kress an einen von ihm verehrten jungen Mann. Wie er in die Hände der Stadtverwaltung gelangte, ist nicht bekannt. Der Aktenfund zeigt nicht nur, dass die Anzeige des Juristen Hans Gmelin auf einen vagen Verdacht hin erfolgte, sie hat auch eine aktuelle politische Dimension. Hans Gmelin steht bereits wegen seiner Aktivitäten im NS und der Nachkriegsjahre in der Kritik. Es laufen Bestrebungen zur Aberkennung seiner Ehrenbürgerwürde.