Schwules Tübingen in der Nachkriegszeit

Schwules Tübingen in der Nachkriegszeit

Vortrag von Karl-Heinz Steinle anläßlich des „Internationalen Tags gegen Homophobie, Transphobie und Biphobie“ (IDAHOT) am Donnerstag, 17. Mai 2018

um 20 Uhr im Saal der Volkshochschule Tübingen, Katharinenstr. 18, 72072 Tübingen

Der Eintritt ist frei

In seinem Vortrag entwickelt Karl-Heinz Steinle ein Panoroma des schwulen Tübingen in den Jahren 1945 bis 1970. Sie sind geprägt vom Paragrafen 175 StGB, der in seiner von den Nationalsozialisten verschärften Fassung bis 1969 bestehen blieb.

Das Weihnachtsvover der Zeitschrift Die Freunde von 1950, die Grafik des gebranntmarkten jungen Mannes und das Cover der Zeitschrift Humanitas von 1955 zeigen das Spannungsfeld „Wunsch – Stigma – Verfolgung“ in dem sich schwule Männer in der frühen Bundesrepublik und so auch in Tübingen befanden.   Innerhalb dieser Punkte spielte ihre Lebenswelt. „Ausbrüche“ aus dieser eng gesteckten Welt verlangten Mut, Einfallsreichtum und Selbstvertrauen.

Alle drei Grafiken stammen von dem 1903 in Berlin geborenen Künstler und Verleger Charles Grieger. Er hatte von 1950 bis 1958 in Hamburg einen der ganz wenigen Verlage für homosexuelle Themen in der Bundesrepublik. Er war Herausgeber von Zeitschriften wie PAN, Die Freunde und Wir Freundinnen, mutige Projekte  der raren Periodika für homosexuelle Frauen und Männer in der frühen Bundesrepublik Deutschland.

In seinem Vortrag verweist Steinle auf die besonders hohen Ermittlungszahlen in Baden-Württemberg, stellt anhand von neuen Aktenfunden in Tübinger Archiven Personen vor, die verfolgt wurden, und geht auf Aktivitäten in Tübingen und Umgebung im Zuge der Liberalisierungsdebatten in den 1960er Jahren ein.

Die Veranstaltung findet statt in Kooperation mit dem Lern- und Dokumentationszentrum zum Nationalsozialismus  e.V. Tübingen, der Geschichtswerkstatt Tübingen e.V. und der AIDS-Hilfe Tübingen-Reutlingen. Sie wurde angeregt durch die Stadtführung „Queer durch Tübingen – Teil1, schwules Tübingen“, die Karl-Heinz Steinle zusammen mit dem Stadtarchivar Udo Rauch am 4. September 2017 im Auftrag des Fachbereichs Kunst und Kultur der Stadt Tübingen durchgeführt hat.

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